Institutsleiter Sek II an der PHBern

Institutsleiter

Seit dem 08.09.2015 leite ich das Institut Sek II an der PHBern. Das Institut bildet Lehrpersonen für die Sekundarstufe II (Berufsmittelschulen, Fachmittelschulen und Gymnasien) aus, beschäftigt rund 60 Mitarbeitende und kooperiert mit fast 800 Praxislehrpersonen. Im Durchschnitt bilden wir pro Jahr etwa 200 Lehrpersonen für den Unterricht auf der Sekundarstufe II in allen Fachbereichen aus.

 

Dozent für Interdisziplinarität

An der PHBern am Institut Sek II habe ich eine Vorlesung zum interdisziplinären Unterrichten aufgebaut. Die Vorlesung richtet sich an angehende Lehrpersonen der Sekundarstufe II aller Fachbereiche. 

 

Im ersten Teil der Vorlesung setzen wir uns mit der gegenwärtigen Fächer-Struktur der Mittelschulen auseinander. Woher kommt die Aufteilung des Wissens in Fächer? Warum unterrichten wir genau diese Fächer? Wie sind sie entstanden? Dabei hinterfragen wir die "Schubladisierung" und "Zerstückelung" des Wissens kritisch und fragen uns vor allem, wer denn für den Zusammenhalt des Wissens zu einem Bildungs-Ganzen verantwortlich ist.

 

Im zweiten Teil besprechen wir Ansätze, Methoden und die Didaktik des fächerverweisenden, fächerverbindenden, und fächerübergreifenden Unterrichts.

 

Im dritten Teil präsentieren Gastreferenten erfolgreiche fächerübergreifende Projekte und Unterrichtsbeispiele.

Physiklehrer am Gymnasium Neufeld

Titelbid der Didactica Magna von Amos COmenius
"Autoritativ Lehren" aus der 'Didactica Magna' von Amos Comenius.
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Von1998 bis 2016 unterrichtete ich am Gymnasium Neufeld in Bern, an der Abteilung Mathematik und Naturwissenschaften im Fach Physik. Im Moment lässt meine aktuelle berufliche Tätigkeit nicht zu, dass ich nebenher noch unterrichte, was mir zuweilen fehlt. Ich will ber nicht ausschliessen, dass ich irgendwann in die Schulstube zurückkehre und mich wieder dem Physikunterricht widme.

 

Der naturwissenschaftliche Unterricht forderte mich jeden Tag neu heraus, einerseits, weil er mir selber unerschöpflich Neues an den Tag bringt und andererseits, weil er von mir als Pädagoge viel abverlangte. Physik ist ein polarisierendes Fach und die Herausforderung besteht darin, allen Schülerinnen und Schülern einen Zugang dazu zu ermöglichen.

 

Dies gelang mir immer wieder und immer besser durch einen genetisch-exemplarischen Unterrichtsstil, der sich stark an der Kulturgeschichte des Unterrichtsgegenstandes orientiert. Dazu gehörte, dass ich phänomenologisch und gegenstandszentriert arbeitete, was den Schülerinnen und Schülern einen sehr vielfältigen Zugang zur Physik ermöglicht.

 

Wie also ist mein Unterichtsstil? Nicht autoritär aber autoritativ, nicht dozierend aber genetisch referierend, nicht präsentierend sondern entwickelnd, evozierend, nicht besserwissend sondern mit-staunend als Botschafter, als Gärtner, als Fackelträger eines Kulturgutes!

 

Dozent für Sport und Umwelt

An der EHSM in Magglingen (Eidgenössische Hochschule für Sport) bin ich seit mehreren Jahren als freischaffender Dozent im Bereich Sport und Umwelt tätig. Im Moment führe ich gemeinsam mit Matthias Roth und Andres Schneider im Bachelor-Lehrgang ein Modul zum Thema Transversale Kompetenzen im Sport durch. Dabei liegt der Fokus auf den Kompetenzen im Bereich Sport und Umwelt.

 

Im Modul geht es darum aufzuzeigen, wie eine Fachperson für Sport gesellschaftlich und thematisch eingebunden ist und welche Kompetenzen nötig sind, um in diesem Umfeld erfolgreich zu handeln und zu arbeiten. Dabei diskutieren wir Gesellschaftsmodelle (z.B. Luhmann), Kompetenzmodelle (z.B. Le Boterf) und besondere Eigenschaften komplexer Systeme. Auf dieser theoretischen Grundlage werden dann Fallbeispiele analysiert und besprochen und es werden Lösungen gesucht; z. B. zu Themen wie:

 

- Ist es gerechtfertigt, für Freizeitaktivitäten im Wald einen "Eintritt" zu verlangen? (Wald-Vignette)

- Welchen Handlungsspielraum haben kleine Skigebiete im Zusammenhang mit einem drohenden Klimawandel?

- Wie reagiere ich als Sport-Lehrperson gegenüber einer Bulimie-gefährdeten Schülerin?

- Sind Olympische Spiele in der Schweiz aus ökologischer Sicht zu verantworten?

- Wie führe ich eine Gruppe mit heterogenen Voraussetzungen in einer Out-Door-Woche?

usw.

 

Weiterbildungen und Kurse

Eigene Weiterbildungen

Dissertation zur Klima und Umweltphysik

Antarktische Bohrstation Dome Concordia
Die Bohrstation Dome Concordia in der Antarktis

Nach meiner Ausbildung zum Gymnasiallehrer in den Fächern Physik und Geographie habe ich an der Universität Bern an der Abteilung für Klima und Umweltphysik die Gelegenheit erhalten mich im Rahmen einer Dissertation mit der experimentellen Rekonstruktion von Klimadaten, die aus Eisbohrkernen der Antarktis gewonnen werden, auseinanderzusetzen. Während 4 Jahren durfte ich in einer internationalen Forscher-Community an der Spitze der Klimaforschung mitwirken, was eine sehr prägende Erfahrung für mich war. Etwas wehmütig trauere ich noch heute der nie erhaltenen Gelegenheit nach, "im Felde" (in der Antarktis) selber "meine Eisbohrkerne" zu bohren. Die sehr fruchtbare Zusammenarbeit in unserem Team in Bern mündete schliesslich in einer Publikation in der renommierten Zeitschrift Nature.

 

Inhalt meiner Arbeit war die Rekonstruktion der d13C-Werte (Konzentration des C-13 Isotops) in der Atmosphäre über die vergangenen rund 20'000 Jahre, mit dem Ziel, den Austausch des Kohlenstoffs zwischen der Atmosphäre, dem Ozean und der Biosphäre besser zu verstehen.

d13C paper_Nature.pdf
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Dissertation in Erziehungswissenschaften

Denkbild der Lehrkunst Didaktik: Baum - Nuss - Baum
Baum - Nuss - Baum; das Symbol der Lehrkunst-Didaktik

Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich mit einer Gruppe von Lehrpersonen an der Weiterentwicklung einer besonderen Form der Wagenschein-Didaktik (Martin Wagenschein war Physiker und Reformpädagoge im letzten Jahrhundert) - der Lehrkunst Didaktik - und der Ausarbeitung von Unterrichtseinheiten (sog. Lehrstücken) für die Mittelschule auf der Basis dieser Didaktik. Aus dieser Tätigkeit hat sich eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Gründer der Lehrkunst-Didaktik, Hans Christoph Berg, und mir ergeben, die zu einer zweiten Dissertation geführt hat. Die Arbeit besteht aus einer theoretischen Weiterentwicklung des Konzepts der Lehrkunst-Didaktik und einer Anwendung dieser Theorie in der Komposition dreier Unterrichtseinheiten im Fachbereich Physik (für die Sekundastufe II). Die Dissertation habe ich in diesem Winter abgeschlossen und an der Phillipps Universität Marburg (DE) eingereicht. Die Thesenverteidigung fand am 13. Januar 2014 statt.

 

Die These der Arbeit dreht sich um die Frage, inwiefern die kulturelle Entwicklung eines Unterrichtsgegenstandes (Unterrichtsthemas, wie z. B. das Fallgesetz in der Physik) für die Gestaltung des Unterrichts mit einbezogen werden soll oder gar muss. Die Idee basiert auf dem Grundsatz des genetischen und exemplarischen Lehrens. Dabei geht es darum, den Schülerinnen und Schülern Wissen nicht einfach "an den Kopf zu werfen", das heisst die Schülerinnen und Schüler zu "instruieren", sondern den Schülerinnen und Schülern genetisch die Erkenntnis eines Unterrichtsinhaltes zu erschliessen. Interessant dabei ist die Feststellung, dass die Vorstellung von Schülerinnen und Schüler  - gerade in den Naturwissenschaften und im Speziellen in der Physik - sich ähnlich entwickelt, wie das in der Menschheitsgeschichte als Ganzes geschehen ist. In meiner Arbeit versuche ich nun aufzuzeigen, wie der Unterricht sich an der Wissenschaftsgeschichte zu orientieren hat  - und zwar von Aristoteles über Galilei bis Einstein - und wie in der Kulturgeschichte nicht nur die Inhalte, sondern auch die Vorgehensweise, wie die Begriffe, Inhalte und Kategorien zu bilden sind, studiert werden kann.

 

Folgende Lehrstücke (Unterrichtseinheiten) habe ich in der Arbeit (weiter-)entwickelt:

  • Pascals Barometer: Hier geht es um den Paradigmenwechsel vom horror vacui zum Luftdruck. Wir folgen dabei der wissenschaftlichen Entwicklung des Begriffs Luftdruck im 17. Jahrhundert.
  • Fallgesetz nach Galilei: Warum fallen Dinge zu Boden? Wie tun sie das? Was gibt der Welt ein 'Oben' und ein 'Unten'? Wir lernen mit Galilei wie die Menschen von Dogma der Anschauung zu einer modernen wissenschaftlichen Methodik gefunden haben.
  • Spiegel-Optik mit Fermat: Eines der erstaunlichsten Prinzipien in der Natur ist das Prinzip der kleinsten Wirkung. Wie haben die Menschen das gefunden? Was sind die Konsequenzen dieses Prinzips in der Optik? Wir erforschen in diesem Lehrstück ein Grundprinzip der Naturgesetze.

Diese Art des Zugangs zu den Naturwissenschaften kommt vielen Schülerinnen und Schülern, die üblicherweise die Naturwissenschaften (im Besonderen die Physik) als belästigendes Umherschieben von Buchstaben und Formeln erfahren, entgegen.

Noch viel wichtiger aber ist, dass ich es als eine Pflicht von uns Pädagoginnen und Pädagogen sehe, unseren Unterrichtsinhalten die Bildungsdimension zu geben, die ihnen zusteht! Unsere Schülerinnen und Schüler sollen erfahren, dass das, was sie in der Schule lernen, ein über Jahrtausende gewachsenes Kulturgut ist, dem wir verpflichtet sind, es zu erhalten, weiterzuentwickeln und weiterzutragen. Meine Schülerinnen und Schüler sollen sich bewusst werden, dass sie hierfür Verantwortung tragen, sie sind diese KulturträgerInnen!

 

Dissertation: Lehrstückunterricht im Horizont der Kulturgenese
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Weiterbildungsangebot

In den vergangenen Jahren habe ich zu verschiedenen Themen Weiterbildungen und Vorträge angeboten. So zum Beispiel zu folgenden Themen:

  • Interdisziplinarität auf der Sekundarstufe II
  • Kulturgenetisch Lehren - Ein Beitrag zur Fachdidaktik der Naturwissenschaften
  • MINT als Katalysator für interdisziplinäre Projekte
  • Lehrkunst und genetisches Lehren
  • Das Sokratische Gespräch im Unterricht
  • Physikalische und mathematische Lehrstücke (im Besonderen zu Pascals Barometer, Fallgesetz nach Galilei, Kegelschnitte)
  • Sport und Umwelt

Zu diesen oder ähnlichen Themen kann man mich buchen!